In der Schweiz gibt es rund 260 000 Gebäude, die bisher noch nie energetisch saniert worden sind. Die Gebäude sind über 30 Jahre alt und rund 70 % von ihnen werden mit fossilen Energieträgern beheizt. Entsprechend hoch ist der Energieverbrauch, ebenso das Potenzial zur Senkung des CO2-Ausstosses. Wie könnten Eigentümerinnen und Eigentümer zu einer energetischen Erneuerung motiviert werden? Diese Frage wurde in der Studie «Energetische Erneuerung statt minimaler Instandhaltung» von Interface, die vom Bundesamt für Energie mitfinanziert wurde, untersucht.

Wall, pediment of a house under construction with windows, vertical beams and a protective membrane for wall cladding

Eigentümer sehen oft keinen Bedarf für Sanierungsmassnahmen

Kürzlich war in der Hauseigentümerzeitung ein interessanter Artikel zum Thema «Energetische Erneuerung» zu lesen. Die Autorin Meta Lehmann schreibt unter dem Titel «Heizungsersatz statt umfassender Sanierung?» unter anderem: «Wenn Eigentümerschaften auf Sanierungsmassnahmen verzichten, liegt das oft daran, dass sie dafür keinen Bedarf sehen. Das Gebäude wird als «gut in Schuss» bezeichnet. Dabei trifft es zwar zu, dass die Fassaden, Dächer und Heizungen ihre Funktion noch erfüllen, ihre energetischen Eigenschaften liegen aber weit unter dem, was heute technisch möglich wäre. Die negativen Begleiterscheinungen einer Sanierung – die Umtriebe und der Schmutz während der Umbauzeit in einem bewohnten Haus – tragen zusätzlich dazu bei, die Sanierungsabsicht zu dämpfen.

Die Nachfolger werden es richten
Bedeutsam ist, im Zusammenhang mit der energetischen Erneuerung, die Generationenfrage: Die Eigentümerinnen und Eigentümer der in der Studie untersuchten Gebäude befinden sich meist im Pensionsalter. Ihre Motivation, das Ersparte in eine Sanierung zu investieren, ist klein. Vielmehr möchten sie diese Aufgabe einer zukünftigen Käuferschaft oder den Erben überlassen.
Nichtsanierer sind, gemäss der Untersuchung, nicht etwa weniger für Umweltfragen sensibilisiert als andere Eigentümerschaften. Die Bedeutung des Energieverbrauchs für den Klimaschutz wird durchaus erkannt. Der eigene Beitrag, den man durch eine Sanierung leisten würde, wird aber als eher tief eingeschätzt.

Es braucht mehr Fördergelder
Die Befragten wünschen sich eine stärkere Subventionierung energetischer Erneuerungsmassnahmen. Damit könnten ihre Sanierungsabsichten verstärkt werden. Gesetze, wie etwa eine Vorschrift zum Ersatz fossiler Heizungen, werden grundsätzlich abgelehnt. Auch den Energieberatungsangeboten können die Befragten wenig abgewinnen. Dies steht im Widerspruch zur Einschätzung aus Literatur und Fachkreisen. Sie empfehlen oft eine Verstärkung der Beratung zur energetischen Erneuerung von Gebäuden. Aber auch Fachpersonen sehen Bedarf, die finanziellen Anreize zu verstärken.
 
Heizungsersatz mit erneuerbarer Energie bringt am meisten
Die Studie kommt zum Schluss: Eine Konzentration der Bemühungen auf den Heizungsersatz ist erfolgversprechender als der Versuch, die Eigentümerschaften für eine umfassende Sanierung der Gebäude zu motivieren. Die Kosten für einen Heizungsersatz sind tiefer und der Nutzen ist einfacher zu vermitteln. Mit dem Ersatz einer fossilen Heizung, durch ein System auf Basis erneuerbarer Energieträger, reduziert sich der CO2-Ausstoss umgehend und massiv. Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen, die Förderbeiträge für den Heizungsersatz zu erhöhen und die Eigentümerschaften älterer Gebäude gezielt anzusprechen, um sie für einen nicht-fossilen Ersatz zu gewinnen.»
 
Das Resultat der Studie deckt sich mit der Aussage von Ruedi Meier, Ökonom, Energiespezialist und Referent an der Informationsveranstaltung «Wie saniere ich mein Haus (richtig)?». Er beantwortet die Frage «Welche Energiesparinvestition ist die beste?» wie folgt: «Es geht vor allem um die Effizienz eines Hauses. Deshalb sollte in erster Linie sowohl das Heizsystem auf erneuerbare Energie umgestellt, als auch Energie, vor allem Strom, selbst produziert werden.»
 
Hier können Sie den Bericht zum Thema (Titel: «Energiesparinvestitionen ins Gebäude») im Magazin Holz&Sonne lesen.

Fazit: Entscheidend ist – auch bei Energiesparmassnahmen am Wohngebäude – das Budget: Wer alles sanieren will und kann, geht auf den Königsweg und saniert Gebäudehülle (inklusive des Daches) und danach die Erzeugung von Heizwärme und Warmwasser. Wer auf das Geld schauen will oder muss, fängt mit Heizung und Solaranlage an.